Ursachen einer Berufsunfähigkeit

Die Ursachen einer Berufsunfähigkeit werden von den Berufsunfähigkeitsversicherungen regelmäßig erfasst und statistisch ausgewertet. Aus diesen Daten der Gesellschaften ergeben sich die Risikoklassen von 1 bis 4, in welche sämtliche Berufe eingeordnet werden. Von Zeit zu Zeit finden hier kleinere Änderungen statt, aber am Gesamtbild ändert sich nichts. Weit vorn liegen psychische Erkrankungen und Erkrankungen des Skeletts und des Bewegungsapparates, weshalb aus Sicht der Versicherer manche Berufe mit psychischen Belastungen wie etwa Grundschullehrer als ähnlich riskant gelten wie einige Bauberufe.

Bedeutung von Berufsunfähigkeitsversicherungen

Die Berufsunfähigkeit sollte kein Mensch auf die leichte Schulter nehmen, in Deutschland ist jeder vierte Arbeitnehmer betroffen. Ein weitverbreiteter Irrtum schiebt das auf Arbeitsunfälle bei Dachdeckern oder Berufskraftfahrern, aber dem ist nicht so. In Wahrheit werden durch Unfälle nur eine kleine Gruppe aller Betroffenen berufsunfähig (etwa zehn Prozent), die meisten Personen erkranken körperlich und/oder psychisch, bis es nicht mehr geht. Das Prekäre daran: Die Erkrankungen finden durchaus schleichend statt. Es beginnt mit gelegentlichen Rückenschmerzen, die sich zeitweise wieder legen können, oder einer depressiven Episode, die irgendwann "abgehakt" wird. Die Krankheiten können - und werden in vielen Fällen - jedoch wieder ausbrechen und zur Berufsunfähigkeit führen. Im Bereich der Depressionen ergeben umfangreiche statistische Erhebungen, dass es Zyklen von rund sieben Jahren geben kann, die zu immer stärkeren Schüben und länger andauernder Arbeitsunfähigkeit führen. Die dreißigjährige Person konnte das noch kompensieren und kam wieder auf die Füße, im Alter von Mitte 40 hielt man sich mit Tabletten über Wasser. Zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr jedoch fehlen dem Körper und der Psyche die Kraft, es tritt Berufsunfähigkeit ein. Bis zur Rente vergehen allerdings oft noch weit mehr als zehn Jahre. Ein alternativer Beruf kommt nicht infrage, der Arbeitsmarkt gibt das gar nicht her. Auch selbstständig macht man sich in diesem Alter kaum noch, schon gar nicht unter psychischen Belastungen, die durch Sorgen und echte finanzielle Not nicht kleiner werden. Ähnlich sieht es mit den weitverbreiteten Rückenleiden, Rheuma und Arthrose aus. Die Krankheiten brechen in der Regel um das 50. Lebensjahr voll aus, ein berufliches Umschwenken ist kaum noch möglich. Auf diesen Fall zielen die Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Statistische Erhebungen aus dem Jahr 2010

Die folgenden Zahlen stammen von der Deutschen Rentenversicherung, sie differenzieren sehr stark nach Geschlecht und auch Eintrittsalter der Berufsunfähigkeit. Zunächst für beide Geschlechter gemischt die Ursachen für Berufsunfähigkeit:

  • Psychische Erkrankungen: 33,7 Prozent
  • Skelett, Muskeln, Bindegewebe: 16,3 Prozent
  • Neubildungen (Tumore): 14,5 Prozent
  • Herz-Kreislauf: 10,5 Prozent
  • Nerven, Sinne: 6,3 Prozent
  • Andere: 18,7 Prozent

Männer und Frauen unterscheiden sich am meisten bei den psychischen Erkrankungen, hier liegt der Anteil unter den Frauen mit 38,3 Prozent gegenüber den anderen Erkrankungen wesentlich höher als bei den Männern mit 27,9 Prozent. Bei den anderen Krankheitsursachen fallen die Differenzen wesentlich geringfügiger aus. Interessant ist noch die Altersstruktur der Menschen, die berufsunfähig werden. Die größte Gruppe machen die 51- bis 60-Jährigen mit 53 Prozent aus, was oben genannte These stützt. Nur 6 Prozent BU-Fälle entfielen auf 20- bis 35-Jährige, der Anteil der 36- bis 45-Jährigen liegt bei immerhin 20 Prozent. Das bedeutet allerdings nicht im Umkehrschluss, dass junge Leute sich mit der Versicherung Zeit lassen können. Die Versicherer führen eine Gesundheitsprüfung durch, zudem ist es in höherem Alter auch für einen gesunden Menschen immer teurer, sich gegen schwerwiegende Risiken zu versichern. Das leuchtet ein, er hat schließlich nicht mehr viel Zeit, in die Versicherung einzuzahlen. Für junge Männer und Frauen ist die Versicherung sehr preiswert, sie sollte daher so zeitig wie nur irgend möglich abgeschlossen werden.